Schon lange habe ich nicht mehr einen "normalen" Eintrag geschrieben, obwohl ich eigentlich viele Ideen im Kopf habe, die noch einige Blogeinträge ergeben würden. Die letzten Wochen erlebte ich viele hektische Augenblicke - Momente in denen ich öfters das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen konnte. Doch genau in diesen Momenten durfte ich erleben, dass Gott mich hält und trägt. Er hat mich immer mit reichlich Kraft versorgt und trotz meiner Schwachheit seine Stärke bewiesen. Ich will ihn dafür preisen!
Ich lebe nun in einem herzigen Dorf auf einem Hügel. Ich nenn ihn mal: Der Hügel der letzten Sonnenstrahlen. Denn wenn das ganze Dorf schon im Schatten liegt scheint in meiner Küche und im Wohnzimmer ein goldener Glanz der letzten Strahlen der Sonnen. Wenn ich aus der Haustüre gehe, aus den Fenster blicke habe ich einen Rundblick ins Tal und auf die süsse Dorfkirche mit der blauen Uhr. Der Glockenklang (der mich auch jetzt dran mahnt, dass es eigentlich Zeit zum Schlafen wäre...) ist ein wenig blechern aber ich möchte es nicht mehr missen.
Das Haus in dem ich leben, ist ein 300 jähriges Bauernhaus. Der Kachelofen in meiner Wohnung steht ist ca. 100-jährig. Er ist weiss und dick und gross und hat schöne weinrote Verzierungen. Es stehen sogar kleine Sprüche drauf, handgemalt wohlbemerkt. Sie lauten so: "Was haben wir auf Erden? Freuden viel und viel Beschwerden." Oder: "Mein Freund! Das ist für jeden gut, wenn mann einander gutes thut" (nein, es sind keine Schreibfehler, sondern alte Rechtschreibung). Oder: "Der ist der beste Menschen Freund, der thut lieben Freund und Feind." Es gibt etwa noch zehn andere. Ihr seht, an Lebensweisheit wirds mir nicht fehlen. Das ich in einem alten Haus wohne wurde mir wenige Tage nach dem Umzug klar gemacht. Ich stand um 6 Uhr auf wollte den Lichtschalter drücken und *flusch* war das Licht schon wieder aus. Ich stand in einem dunklen Haus - Sicherung raus - in welcher Schachtel habe ich bloss die Kerzen verpackt??
Einige Tage später hat das Wetter umgeschlagen und es wurde sehr kalt. So erfuhr ich, dass die Isolation wohl noch von 1800 sein muss. Ich sass bei 17 Grad in meiner Wohnung und hatte einige Schichten Kleider an... Gott sein Dank, bekam ich von einer lieben Bekannten aus dem Nachbarsdorf einen elektrischen Ofen und bald schon hat mich der Hauswart von Winter befreit und die Heizung eingeschaltet.
Fast jeden Abend bin ich am Joggen oder Spazieren. Ich brauche nur aus der Türe zu gehen und schon bin ich in der Natur. Heute abend bin ich statt den Hügel rauf, runter zum Fluss gegangen und eine lange Strecke gejoggt. Warum ist joggen so befreiend? Wenn ich mal so richtig eingelaufen bin könnte ich laufen und laufen und laufen. Es ist wie wenn ich alles rauslaufen würde und ich fühle mich hinterher erfrischt und spüre meine Muskeln. Auf dem Rückweg liegt der Friedhof. Ich machte einen kurzen Abstecher und schlenderte durch die letzten Ruhestätten. Auf einem Grab stand: Gottes Wege sind heilig. Welche Erfahrungen hätte wohl dieser Mensch zu erzählen? Auf einem anderen Grab stand ein vergilbtes Foto eines glücklichen Hochzeitspaares. Ich betrachtete es längere Zeit und fragte mich, was diese Menschen wohl für Spuren in ihrem Leben hinterlassen haben und wie dieses Paar wohl war. Nachdenklich ging ich nach Hause, wo ich mich augenblicklich in der Küche an "Hausfrauen-Spassigkeiten" machte: Bohnen kochen, panierte Zuchettis braten (meine absolute Leibspeise!), Salat zubereiten. Küchenkrisen gabs natürlich auch: Die Ölflasche ist umgekippt und über den Tiefkühler gelaufen, Tofu ist angebrannt etc. aber sonst bin ich sehr zufrieden mit mir und meiner Küche:). Meine weise Mutter hat mir geraten immer strikt am Freitagabend zu putzen und nicht eher aufzuhören bis es sauber ist. Erst dann ausruhen, denn sonst macht man es nicht... Sie hat recht und bis jetzt bin ich fleissig!
Meinen Nachbarn im oberen Stock sind richtige Engel. Ernste Christen. 3 Kinder gehören dazu und sie sind allerliebst. Donnerstagabends gibt sie Guitarrenunterricht und da darf ich dann in der Küche christliche Lieder hören und mitsingen (natürlich mit der Holprikeit eines Guitarrenanfängers). Am Geburtstag der Kleinsten haben sie mich eingeladen fürs Kuchenessen. Der Vater hat Schwarzwäldertorte gebacken: Ich habe noch nie (und das ist mir ernst) so unglaublich gute Schwarzwäldertorte gegessen. Ich nahm mir 2 grosse Stücke und das ist wahrlich ungewöhnlich für mich. Wir haben danach noch lange geredet und viele Gemeinsamkeiten gefunden. Nun sind sie in der Toscana im Urlaub. Das Trappeln von Füssen über mir, genau um halb 7 morgens, fehlt mir. Zum Glück kommen sie bald wieder.
Leider wurde ich in dieser Wohnung schon zur richtigen Fliegenkillerin... Es hat Fliegen - es ist eine Plage. Aber manchmal mag ich sie auch ganz gerne. Sie leisten mir lustige Gesellschaft. Zum Beispiel habe ich heute etwas Süsses gekocht und da kam doch so eine freche Fliege und hat geschnaust. Ich musste lachen, als ich sie aus dem Augenwinkel sah. Es hat ihr wohl geschmeckt.
Das Altersheim nebenan gefällt mir. Ein Grosi steht regelmässig am Abend wenn ich von der Arbeit heimkomme am Fenster und dann winken wir uns gegenseitig zu. Da es ein Heim für Alzheimerkranke ist kann sie nicht alleine raus.
Jeder Tag an diesem Ort ist ein Geschenk und ich geniesse jeden Augenblick.
Neue Geschichten vom Hügel der letzten Sonnenstrahlen werden folgen :).
Be blessed!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen