Donnerstag, 6. Oktober 2011

Für ihn... und all die anderen.

Zum dritten Mal habe ich heute die Crocs und Spitalgwändli angezogen, das Desinfektionsmittel in die Tasche gesteckt und bin mit den beiden netten Leuten vom Projekt im vierten Stock ins erste Zimmer reingegangen. Das Baby vorne links weint immer... es ist ein grosser, starker Junge und ist erst glücklich wenn er auf dem Schoss sitzen darf und man sich mit ihm beschäftigt. Mittlerweile kenne ich "meine" kleinen Pappenheimer. Im dritten Stock liegt bzw. steht ein ca. 3-jähriger, kleiner Junge im Bett und ruft nach der Mama. Nun schon 3 Tage lang. Es bricht mir fast das Herz... Nimmt man ihm aus dem Bettchen spielt er nur mit geringer Lust mit dem Ball oder dem kleinen Bagger. Alles was er will ist Mama. Und dabei zeigt er mit dem Finger zum Fenster raus über die Dächer der Stadt: Dort ist Mama! Ich hab ihm etwas Tee angeboten und er hat ihn mit zittrigen Händen durstig ausgetrunken. Das Weinen macht durstig. Er schöpfte Vertrauen. Ich nahm in auf den Schoss und wiegelte ihn und er beruhigte sich und wurde ganz still und schläfrig. Ich hätte ihn gerne noch Stunden gewiegelt, aber irgendwann musste ich ihn wieder ins Bett zurücklegen und die Angst verlassen zu sein kehrte in seine Augen zurück und er weinte herzzerreissend. Ich streichelte ihm nochmals über die Wangen und wünschte für ihn, die Welt wäre besser.
Gestern Abend wurden wir von den jungen Frauen des Projekts in ihren Garten eingeladen zu einem gemütlichen Abend am Feuer mit Stangenbrot. Grossteils sind es Amerikanerinnen aber es gibt auch Deutsche darunter. Sie kümmern sich liebevoll um "ihre" Zigeunerfamilien von Brasov (viele Babys die im Spital liegen kommen aus dieser Siedlung), geben Kurse, bringen Babys zurück, führen Teenager-Clubs und vieles mehr, um die Umstände zu verbessern. Man fühlt sich sogleich wohl unter ihnen und sie nehmen einen ganz offen und freundlich in ihrer Mitte auf. Wir sitzen am Feuer und haben alle das gleiche im Herzen: die kleinen Geschöpfe im Spital.

1 Kommentar:

Sr. Anita hat gesagt…

Ich dachte schon, es gibt Sie nicht mehr! Und nun dieser Einsatz! Es könnte einem wirklich das Herz brechen. Warum so viel Not...
Eine Antwort gibt es sicher nicht.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Liebe während ihrer Besuche bei den Kleinen.
Wir versuchen von unserer Stelle aus, Wäsche u. ä. in ein Ostblockland zu schicken. Aber vor Ort zu sein, ist noch mals was anderes.
Liebe Grüße von
Sr. Anita