Freitag, 5. Oktober 2007

Der blaue Schal

Der Zug war rammelvoll, als ich gestern von der Schule heimfuhr. Er fuhr in den Bahnhof ein und jeder wollte als erster unten sein um auszusteigen (es war ein Doppelstöcker). Mitten im Gewühl sah ich, dass zwei junge Frauen und ein Mann depatierten, ob sie den Schal am Treppengeländer mitnehmen sollen oder nicht. Ganz offensichtlich hat ihn jemand dort vergessen. Es war ein schöner kunstgestrickter Schal. Das Mädchen fragte: "Soll ich ihn wirklich nehmen? Er ist so schön! Was soll ich machen??" Schlussendlich nahm sie ihn mit nach draussen und als ich neben ihr vorbei ging hörte ich sie sagen: "Weisst du, jetzt hab ich ganz ein schlechtes Gewissen." Schon im Zug dachte ich mir, das kann man doch nicht einfach machen! Wäre es meiner, würde ich heilfroh sein, wenn ich eine Chance hätte ihn wieder zu bekommen. Ausserdem ist es Diebstahl. Da ich schon geübt bin im Sachen-ins-Fundbüro-bringen, überlegte ich nicht lange und fragte sie, ob ich ihn aufs Fundbüro bringen dürfe. "Du gehst aufs Fundbüro?" "Ja ich gehe dorthin. Ich bin mir sicher jemand wird danach fragen." Sie legte ihn mir in die Hände und ich ging damit in Richtung Fundbüro, hoffte insgeheim, dass ihn jemand ihn dann auch wirklich abholen wird.
Mit kam in den Sinn, dass Jesus einmal sagte, dass man so handeln solle wie man auch behandelt werden will.

P.S. Ich habe schon Wanderstöcke und eine Posaune auf das Fundbüro gebracht. Also jeder der mich mit einem eigenartigen Utensil durch den Bahnhof gehen sieht - es muss nicht unbedingt ein neues Hobby sein.

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