Dienstag, 10. Februar 2015

George W. Carver, Teil 2

"Seine Neugier war unersättlich, sein Lerneifer erlahmte nie. Es kam ihm nicht in den Sinn, es merkwürdig zu finden, dass ein Junge Frauenarbeit tat. Mit seinen schnellen Händen und dem flinken Verstand versucht er alles. Eines Nachmittags sah er Tante Susan beim Stricken zu und sagte dann: "D-Das k-k-kann ich auch!" Mit einer Truthahnfeder vom Hof und einem aufgezogenen Fausthandschuh sass er neben ihr und lehrte sich selbst das Stricken. Bis zum Sommer konnte er auch häkeln und stricken. Wenn Tante Susan ein schwieriges Muster begann, brauchte sie ihm nur zu erklären, wie es am Ende aussehen sollte. Dann gingen sie, jeder für sich, an die Arbeit. Hernach konnte Moses nicht unterscheiden, welche Stich von George, welche von seiner Frau stammten."

"Wieder kam ein Frühling. George gewöhnte sich daran viel im Wald zu sein. Er hatte dort eine verborgene kleine Lichtung entdeckt, auf der die Natur alle ihre Wunder vorführte, wenn ein Mensch nur sehen und hören wollte. Er spähte unter die Baumrinde und beobachtete die krabbelnden Insekten. Er studierte die wilden Blumen, die sich an die Sonne drängten, und jene, die den Schatten suchten. Er lauschte auf das Quaken der Frösche, das Zwitschern der Vögel, und er spürte in sich das Verlangen, diese geheimnisvolle, vielfältige Welt kennen und verstehen zu lernen. Warum flohen die Nachtfalter vor der Sonnenwärme? Warum konnten die Lilien ohne Sonne nicht leben? Warum lieferten Wurzeln, die einander genau glichen, eine so verwirrende Vielfalt farbiger Blüten? Was wurde aus dem weichen, weissen Flaum, der dem Löwenzahn entschwebten?
George liebte das Gefühl warmer Erde in seinen Händen. Jahre später erinnerte er sich daran und sagte: "Die Leute morden ein Kind, wenn sie ihm befehlen: ´Bleib aus dem Schmutz!´ Im Schmutz steckt ja das Leben!"

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