Bald war er auf der Lichtung mehr zu Hause als im Blockhaus der Carvers. Die Stunden verflogen, wenn er auf den Knien lag, einen Farnzweig betrachtete und die Tapferkeit bewunderte, mit der ein neuer Trieb sich durch die Schicht toter Blätter vom letzten Winter zwängte. Farne, Blumen und Kürbisse wurden für ihn die Spielzeuge und Freunde, die er nie gehabt hatte. Er spielte und sprach mit ihnen. Die Entdeckung eines neuen Pflänzchens oder einer neuen Blüte liess sein Herz stürmisch klopfen.
Vorsichtig schloss er nun auch Freundschaft mit Tante Susans Pflanzen. Er trug Wasser für die Zuckererbsen und kniff welke Blüten von Geranien. Einmal sah Jim, wie George sich mit den gelben Rosen an der Tür beschäftigte. "Was machst du mit den Blumen?", fragte er.
"Ich liebe sie", antwortete George.
Unter seinen Händen erblühten die Rosen, und die Geranien schienen nie zu gilben.
Als Mrs Baynham zu Besuch kam und klagte, ihre Rosen sähen niemals so herrlich aus wie die von Susan Carver, versprach Tante Susan, ihr George einmal zu schicken. "Das liegt nämlich nur an ihm", sagte sie. "Er muss einen Zauber haben, um alles wachsen zu lassen."
Uns so kletterte George eines Sommertages über den Zaun und ging querfeldein zum Haus von Mrs Baynham, das einmal Colonel Grant gehört hatte. Hier hatten seine Eltern gelebt. Er versuchte, sich vorzustellen, wie sie über die Felder gegangen waren. Aber es fiel ihm schwer, das Bild seiner Elter herbeizuzwingen. Er wurde auch bald durch das grosse rote Steinhaus von diesem Versuch abgelenkt. Bewundernd umkreiste er es. In der Mittagshitze war alles still. George fühlte sich wie allein in einem fremden Land. Es gab nur ihn, das mächtige Haus und die Rosen. Er fand sie an der Nordwestseite und wusste sofort, warum sie kümmerlich waren. Nur in den frühesten Morgenstunden konnte die Sonne sie erreichen. In einer guten Stunde hatte er sie umgepflanzt und begossen und bei der Arbeit sein seltsames kleines Lied gesummt. Dann ging er zur Hintertür, um Mrs Bayham zu begrüssen.
Die Küche war verlassen wie der Hof. Aber im Haus war es einladend kühl, und fast gegen seinen Willen trugen ihn die Füsse durch das Speisezimmer zur Eingangshalle. In der vornehmen Stille wagte er kaum zu atmen. Die Wände waren bemalt, die Möbel glänzten, und als er nun in der Tür zum Salon stand, sah George das Verblüffenste von allem: überall im Raum hingen Bilder, wunderbare Bilder von Wäldern und Blumen. Selbst der bärtige alte Mann, der auf ihn herunterblickte, kam George wunderschön vor. Hungrig ging er von einem Gemälde zum anderen, als wolle er sich jeden Pinselstrich und jede Farbe einprägen. So sehr war er in diesen Zauber versunken, dass er Mrs Baynham erst bemerkte, als sie hinter ihm stand und sagte: "Gefallen dir die Gemälde, George?"
Er fuhr fluchtbereit herum, doch sie lächelte ihm zu.
"Ich... ich... "
"Bist du gekommen, um nach den Rosen zu sehen?"
Er fand seine Stimme wieder. "Ich h-hab' die Rosen umgepflanzt, Ma'm... In die S-Sonne... Rosen brauchen S-S-Sonne, Ma'm."
Auszug "Der Mann der überlebte" von Lawrence Elliott
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